Adieu Tristesse.

Diese Infoladengruppe hat 2015 das AZ Köln verlassen, der Infoladen dort wird nun von anderen Menschen verwaltet.

Autonome Frauen*- / pro-feministische Männer*liste

Zu den Wahlen an der Uni Köln 7. – 11.12. 2015 empfehlen wir für die Gleichstellungskommission die Autonome Frauen*- / pro-feministische Männer*liste. Hier findet ihr den Flyer als pdf und hier den Beitrag für die Wahlzeitung

Vortrag: Anarcha-Feminismus am 18.12.

Am Freitag, 18.12. gibt es im Café Fatsch ab 19h im Rahmen der Linken Basics nochmal unseren Vortrag zum Thema Anarcha-Feminismus zu hören – mit Update und Ergänzungen zum letzten Mal.

Ist der Anarchismus von sich aus eine feministische Strömung? Welche Kritik gibt es an der (weißen und bürgerlichen) feministischen Geschichtsschreibung aus libertärer Perspektive? Wie hat sich Anarcha-Feminismus entwickelt und welche Gruppen und Personen waren dabei prägend? Was bedeutet das alles für anarchistische und feministische Bewegungen heute? Zu diesen Fragen möchten wir einen Input
geben und freuen uns danach auf eine spannende Diskussion mit euch.

http://www.cafe-fatsch.de/
http://linkebasics.blogsport.eu/

lookism, beauty standards, womyn: Ansätze eines anderen Umgangs

Frauen wollen sich mit/ in ihrem Körper wohl fühlen! Das jedoch ist extrem schwer bei all der vielfachen Erzeugung von Druck durch die Medien, schlank, jung und schön zu sein – oder wertlos.
Das Sprechen über Attraktivität, das Nachbilden von Attraktivität in der Kunst greift diese Wertvorstellungen auf. Auch das Komplimente machen gegenüber einer Frau, die als attraktiv gelesen wird, greift darauf zurück: Du hast Wert, du bist (liebens)Wert. Attraktivität existiert nur in Zusammenhang mit dem Gegenteil, dem Hass-lich-sein.

Das Kompliment an sich verdeutlicht aber mehr: das Recht, zumeist von Männern, über den Körper der Frau zu sprechen, ihn einzuordnen, zu bewerten und im Sprechakt dieses Recht zu reproduzieren. Diese Sprechsituationen stehen häufig am Anfang einer Begegnung und verdeutlichen damit zudem, dass der Sprechende sein Begehren an dem Körper äußert. Sein haben-wollen der Attraktivität, um es zu seinem Attribut zu machen: er integriert sie als Objekt der Dekoration in seinen Privatraum.
Ein Attribut, gemeint als Informationsträger, bezeugt die Fähigkeit, eine „schöne“ zu „kriegen“ und definiert hierin den Stellenwert des Mannes. Es sollte klar werden, dass eine Frau so ihrer Subjektivität beraubt wird und welches Motiv hinter dem Begehren nach einer schönen Frau steckt. Lookism ist entsprechend als ein weiterer Eingriff in die Autonomie der Frau zu verstehen.

Zurück zum Körper: Der Körper ist das Zuhause einer Person! Eine Frau lebt jeden Tag in ihrem Körper, erlebt Emotionen durch ihn, hat Ideen in ihm, macht Witze mit und über ihn. Ihr Körper ist ihre Persönlichkeit und er gehört vollständig ihr. Er ist das Geschenk dafür, geboren worden zu sein. So wie dein Körper dein Geschenk dafür ist. Und Menschen entscheiden selbst, wann sie dieses Geschenk teilen möchten!

Das vor allem Frauen sich in ihrem Körpern unwohl fühlen hat seine Ursache in den jährlich ausgegeben Unsummen, um sie daran zu erinnern, häßlich zu sein und durch ihre Häßlichkeit sie fundamental nicht-liebenswürdig zu sein.
Das deutsche Wort „häßlich“ verdeutlicht diese Tatsache unmissverständlich. Es birgt in sich die Verschmelzung von Sprechakt und physikalischer Realität. Als häßlich gelesene Menschen dürfen gehasst werden und erleben dies auch. Nicht als Ausnahme, sondern als Alltag, also all-täglich.

Also, denk nach, bevor du Körper malst, bevor du Körper – ob durch Komplimente oder Abwertung definierst. Und nein, es ist nicht schlimm, schön zu sein, es ist schlimm, schön sein zu müssen! Es ist schlimm, in schön und unschön zu unterscheiden! Leben ist schön und Leben ist verkörpert und körperlich!

Weiteres zum Thema Lookismus

Zur Walter-Herrmann-Soli-Kundgebung am 7. November in Köln

Gegen jeden Antisemitismus!
Bild: Fuad Afani bedroht Gegendemonstrant*innen, welche ein Transpi mit der Aufschrift „Antisemitismus bekämpfen – in Köln und Überall – Für ein Leben vor dem Tod“ halten.

Zur Dokumentation teilen wir folgenden Bericht des BgA Köln.

Maximal 70 Personen versammelten sich am Samstag um 12:00 vor dem Kölner Dom zu einer Kundgebung unter dem Motto „Walter Herrmann free Palestine“ (sic), um sich mit dem Anmelder der Kölner „Klagemauer“, Walter Herrmann, zu solidarisieren. Dabei kam es zu antisemitischen Äußerungen und Übergriffen.

Herrmann fühlt sich notorisch für seine „Friedensarbeit“ gegen Israel verfolgt und muss momentan verdauen, dass ihm der Vorstand des Kölner Bürgerzentrums „Alte Feuerwache“ nach jahrelangen Querelen die Nutzung der Räume untersagt hat, was in der bundesweiten antizionistischen Szene zu Solidarisierungen mit Herrmann führte.
Angemeldet und organisiert wurde die heutige Veranstaltung von Reza Begi, einem Aktivisten der Querfrontszene, der unter anderem enge Kontakte zur Pegida-Mitbegründerin Katrin Oerthel unterhält und der zudem regelmäßig zu Kundgebungen der von VerschwörungstheoretikerInnen getragenen sog. Mahnwachenbewegung im gesamten Bundesgebiet aufruft. An den Kundgebung der KonspiratistInnen-Szene nehmen regelmäßig auch organisierte Neonazis teil. Selbst zur heutigen Kundgebung aufrufende Gruppen wie der obskure Verein „Solidarity with Palestine Walter Herrmann & WorldWide Resistance-Help e.V.“ distanzierte sich bei Facebook von Begi, erschien aber nichtsdestotrotz zur Kundgebung. Ebenso wie Andreas Neumann von der Kölner „Arbeiterfotografie“. Neumann erlangte ein bescheidenes Maß an trauriger Berühmtheit, als er zusammen mit Jürgen Elsässer (heute Chefredakteur des rechten Querfrontmagazins Compact), dem damals amtierenden Präsidenten des islamistischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Regimes im Iran, Mahmud Ahmadinejad, einen Solidaritätsbesuch abstattete. Auch dem islamistischen Internetportal „Muslim Markt“ steht er gern als Interviewpartner zur Verfügung.

„Stargast“ und Hauptrednerin der Kundgebung war jedoch Evelyn Hecht-Galinski, die sich als Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, in antizionistischen Kreisen besonders großer Beliebtheit erfreut, da sie ihre „israelkritischen“ MitstreiterInnen verlässlich und regelmäßig von jedem Antisemitismus freispricht und auch selbst dem jüdischen Staat gegenüber vor keiner Diffamierung zurückschreckt. So bleibt sie sich auch in Köln treu, erklärt zur Begeisterung der wenigen Anwesenden Gaza zum Konzentrationslager und behauptet ernsthaft (an die wenigen protestierenden Antifa-Aktivisten gerichtet), dass Philosemitismus das gleiche Verbrechen sei wie Antisemitismus. Womit dankenswerter Weise festgehalten wäre, dass Evelyn Hecht-Galinski zwischen Auschwitz und einem Klezmer-Abend im evangelischen Gemeindezentrum zumindest keinen grundsätzlichen Unterschied feststellen kann.
Nachdem sie für ihre Ausführungen von Reza Begi mit einem Strauß Blumen bedacht wurde, trat Fuad Afane an‘s Mikrofon. Sichtlich und hörbar erregt erklärte er Walter Herrmann zum „wahren Löwen von Deutschland“, um dann einen Ausflug ins Reich der „Rassenkunde“ zu beginnen. „Ich bin Semit, ihr seid Antisemiten“, erklärte er ca. zehn antifaschistischen GegendemonstrantInnen, welche sich zwischenzeitlich eingefunden hatten und neben einem Transparent auch eine Israelfahne zeigten. Die Völkerkunde scheint auch sonst zu Afanes Steckenpferden zu gehören, so fordert er auch schon mal bei Facebook: „Aschkenasim (europäische Juden) sind keine Semiten. Ausländer raus aus Palästina“. Zweifellos beste Voraussetzungen um in der bizarren Welt der QuerfrontlerInnen eine bescheidene Karriere als „Friedensaktivist“ zu machen. Bei EnDgAmE, einer Art öffentlich abgehaltenem Klassentreffen ostdeutscher AntisemitInnen, AmerikahasserInnen, VerschwörungstheoretikerInnen, WutbürgerInnen und ganz normaler Nazis, durfte er folgerichtig auch schon mitmachen.

Die Kölner Polizei reagierte auf das Erscheinen der kleinen Gruppe von GegendemonstrantInnen nervös und beorderte ca. 20 BeamtInnen zum Kundgebungsort.
Nach Ende seiner Rede näherte sich Afane, immer noch sichtlich aufgeputscht und aggressiv, den antifaschistischen GegendemonstrantInnen, brüllte diese aus nächster Nähe an, hielt dabei im Stil von Fussballfans einen Palästina-Schal in die Höhe und entriss den AntifaschistInnen schließlich nach einem kurzen Wortgefecht das Transparent, welches dabei zerrissen wurde. Im anschließenden Handgemenge schlug zudem ein mit Palästinenserschal ausgestatteter in schwarz gekleideter Mann auf einen der AntifaschistInnen ein. Nachdem die Polizei die Personalien des Angreifers feststellte, der sich danach – immer noch sichtlich wütend – entfernte, erstatteten zudem mehrere Personen Anzeigen gegen diesen und gegen RednerInnen der Kundgebung wegen antisemitischer, beleidigender und volksverhetzender Aussagen. Begi beendete die Kundgebung nach den Übergriffen, woraufhin die den Einsatz leitenden PolizeibeamtInnen ihm in ausgesprochen freundlichem Tonfall gute Tipps mit auf den Weg gaben, wie es beim nächsten Mal besser laufen könne.

Das absurde Schauspiel vor dem Dom machte eindrücklich deutlich, dass Walter Herrmann und seine UnterstützerInnen einfach die örtliche Avantgarde von Montagsmahnwachen, Querfrontstrategien und Verschwörungsirrsinn sind, die in Deutschland längst den nicht geriatrischen Teil der sogenannten Friedensbewegung dominieren. Das hier keine Berührungsängste gegenüber Leuten aus dem Umfeld von Pegida-Mitbegründerin Katrin Oerthel bestehen ist kaum verwunderlich. Bei kritischen BeobachterInnen der langwierigen Diskussionen um die Kölner „Klagemauer“ und dem dort verbreiteten Antisemitismus kann dies keine Verwunderung auslösen. Hier wächst zusammen, was zusammen gehört.

BgA Köln, 8. November 2015

Video: Palästina-Schal schwenkender Fuad Afane fordert die GegendemonstrantInnen auf, „nach Russland, Polen, Estland zurück(zugehen)“: „Geht dahin zurück, wo ihr hergekommen seid.“

Mehr Infos zu Walter Herrmann und seiner Klagemauer findet ihr in dieser schon etwas älteren Intervention von MAD Köln.