Published @ Gǎi Dào

Unseren Bericht zum Anarcha-Feminismus Vortrag haben wir in der Gǎi Dào veröffentlicht. Hier findet ihr die Ausgabe zum Download.

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    Anarcha-Feminismus: radikal – queer – intersektional1!

Im Rahmen der libertären Wochen in Köln haben einige Frauen*2 auf Anfrage der organisierenden Gruppen am 06.Juni 2015 im SSK Ehrenfeld einen Vortrag zum Thema Anarcha-Feminismus gehalten.

Zu Beginn zeigten wir ein Interview mit Anarcha-Feministinnen aus Mexiko3. In diesem werden vor allem weltweite Parallelen der Schwierigkeiten deutlich, die FrauenLesbenTransInter* (FLTI*) innerhalb anarchistischer Bewegungen erleben. Auch geht es um die Stigmatisierung von Abtreibungen trotz deren eigentlicher Legalisierung, um Organisationsformen, sowie die besondere Thematik der Feminizide4, frauenfeindlicher Morde.

Danach fassten wir kurz die historische Entwicklung des Feminismus zusammen um eine anarchistische Kritik daran deutlicher werden zu lassen und Themeneinsteiger_innen einen Überblick über Feminismus im Allgemeinen zu geben.

Da war doch was mit drei Wellen, oder? Nä, finden wir nicht gut. Die Einteilung des Feminismus in Wellen ist nicht nur durch zeitliche Überschneidungen und Uneindeutigkeiten ungünstig, sondern konzentriert sich auch auf weißen5 Feminismus. Dadurch werden andere Feminismen unsichtbar gemacht und verschwiegen. Ein aktuellerer Ansatz ist der No-Wave Feminism, die Ablehnung gegenüber der historischen Einteilung von Feminismus in Wellen, geprägt insbesondere durch indigene Feminist_innen. Vielleicht gibt es ja Leser_innen, die sich damit besser auskennen, oder Lust haben, zu recherchieren und für die folgenden Ausgaben einen tiefer gehenden Artikel darüber zu verfassen. Unter Anderem stellen sich die Fragen, welche Inhalte historisch überhaupt überliefert werden und wer die Geschichte schreibt. Denn Frauen*, die sich gegen ihre Unterdrückung gewehrt haben gab es schon immer und überall.

Wichtige Strömungen und Personen des Feminismus:
14. bis 18. Jahrhundert: Christine de Pizan, Marie de Gournay, Olympe de Gouges, Mary Wollstonecraft, Abigail Adams, Hedwig Dohm und wahrscheinlich einige mehr.
19. Jahrhundert: bürgerlich-liberale Frauenbewegung, Forderung von Gleichstellung privilegierter Frauen mit privilegierten Männern (z.B. Wahlrecht für reiche weiße Frauen)
ab 1960er: „Das Private ist Politisch!“ – Radikalfeminismus, Gleichheitsfeminismus, Differenzfeminismus, Ökofeminismus, sozialistischer Feminismus, postkoloniale Feminismen: Black Feminism, Chicana Feminism, Indigenious Feminism, …
ab 1990er: (De-)Konstruktivismus und Queer-Theory, auch bürgerlich-liberaler Postfeminismus

    Musik feministischer Raperinnen aus Afghanistan
    spielten wir zwischen den einzelnen thematischen Blöcken ab:

Paradis6 macht trotz vielfacher Bedrohungen weiter mit ihrer Musik. Sie ist bei Frauenorganisationen und -aktivist_innen in Afghanistan sehr beliebt. Trotz aller Gefahren organisiert sie gemeinsam mit ihrem iranischen Verlobten weiterhin Konzerte, die ihre einzige Einkommensquelle sind. Sie singt über die Situation von Frauen* in der Gesellschaft. „Wir dürfen keine Träume haben, weil wir Frauen* sind, werden mit Säure attackiert, im Namen des Islam“

Ghogha (Bedeutung: Rebell_in) ist eine persische Sängerin, die bereits mit verschiedenen Gruppen zusammengearbeitet hat und interessiert ist, mit vielen verschiedenen Genres zu experimentieren. Ihre Texte drehen sich um Krieg, Gnostizismus, die Unterwerfung der Erde durch die Menschen und weitere soziale und philosophische Themen. Nach dem Weltfrieden strebend liebt sie Poesie und poetischen Rap, macht unkommerzielle Untergrundmusik. Ihre Lyrics, so schreibt sie, sind härter als Hardcore! Gemeinsam mit Shaya veröffentlichte sie zum Beispiel das Lied Khiyaboon (Die Straße)7.

Soozan Firooz8 rappt ebenfalls über Frauenunterdrückung. „Wenn Frauen defekte Gehirne haben, tun das auch deine Ehefrau, deine Schwester, deine Mutter // Du schämst dich nie für deine Untreue, aber wenn ich meine Stimme erhebe, schneidest du mir die Zunge ab // Ich bin nicht nur eine Frau, Ich bin auch ein Mensch“ Über sie wurde in der MTV-Reihe „Rebel Music“ berichtet.

    Warum der Feminismus den Anarchismus braucht
    Kritik am nicht-anarchistischen Feminismus

Im Feminismus gab und gibt es Eurozentrismus9 und Whitewashing („Weißwaschen“) der Geschichte, sowie rassistische Denkmuster und Stellvertretungspolitik. So ist beispielsweise Alice Schwarzer der Ansicht, dass Kopftuchträger_innen prinzipiell unterdrückt seien und keine Feminist_innen sein könnten, schlug auch schon Kopftuchverbote vor.

Das Fordern eines staatlichen/institutionellen Feminismus kann nur zu Reformen (z.B. Frauenquote in Führungspositionen), nie aber zur Abschaffung des Patriarchats führen, denn die Spaltung zwischen privilegierten und abgewerteten Gruppen ist staatserhaltend und dem Kapitalismus inhärent. So werden vermeintliche Geschlechterunterschiede, sowie Rassismus, genutzt, um Lohnungleichheiten zu rechtfertigen.

Zwar kann die Institutionalisierung, bzw. eine legale Art der Organisation, dabei hilfreich sein, Repression zu vermeiden. Auch das Ausnutzen staatlicher Gelder befürworten wir definitiv. Stichwort: Diversity of tactics. Reformen als Akuthilfe sind richtig und wichtig. Sich allein auf staatliche Institutionen zu verlassen wird jedoch nicht nur beim Thema Feminismus schwere Enttäuschung mit sich bringen. Bestenfalls nutzen Staaten ihre vermeintlich feministischen Werte, um nationale Interessen zu stärken. Häufig wird rassistische Hetze gegen weniger emanzipierte Länder verbreitet („In Europa gibt es doch schon gleiche Chancen für Frauen, daher müssen wir die wehrlosen unterdrückten Frauen im globalen Süden von den barbarischen Männern dort befreien!“) Deshalb ist eine anarchistische Sichtweise wichtig, um die langfristige Perspektive nicht zu vergessen und sich nicht mit reformistischen Maßnahmen befrieden zu lassen. Das Patriarchat abschaffen, anstatt es nur erträglicher zu machen!

Weitere Probleme einiger Feminismen sind Sexarbeiter_innenfeindlichkeit, Ignoranz gegenüber A*sexualität, Homophobie, Biphobie, Trans*- und Inter*phobie. Manche Feministinnen weiger(te)n sich, anzuerkennen, dass das biologische Geschlecht genau so eine Konstruktion ist, wie das soziale. Mit dieser Argumentation wird insbesondere Transfrauen ihre Weiblichkeit abgesprochen (das nennt sich Transmisogynie). Oft werden auch Genitalien mit Geschlechtern gleichgesetzt und ignoriert, dass Sexismus eine Ideologie ist, die nichts mit Körperteilen oder Hormonen, sondern mit gesellschaftlichen Strukturen zu tun hat. Ein historisches Beispiel hierfür ist die Riot Grrrl Bewegung: Trotz vieler wichtiger empowernder Aspekte wurden auf einigen Festivals Transfrauen ihre Auftritte, ja sogar der Zutritt als Zuschauerinnen verboten.

    Warum der Anarchismus den Feminismus braucht
    Was ist anarcha-Feminismus?

Eigentlich ist Anarchismus doch eine Philosophie, die sich gegen jede Hierarchie ausspricht und sollte damit inhärent feministisch sein, oder nicht? Sollte. Wie bereits im Bericht zur AFem Konferenz in London 2014 (siehe Gaidao No 52) erwähnt, ist er das jedoch nicht. Die anarchistische Bewegung ist in weiten Teilen nicht wirklich anarchistisch. Wie im sozialistischen Feminismus werden Patriarchat, cis-Sexismus10, hetero-Sexismus und Misogynie (Frauen-feindlichkeit) als Nebenwidersprüche betrachtet, die sich in Luft auflösen würden, wenn nur Staat und Kapitalismus abgeschafft wären. Auch wir wollen das nicht hinnehmen, sondern ändern! Anarchismus und Feminismus sollten als gleichwertige Theorien betrachtet und gelebt werden, und auch Rassismus und Antisemitismus sind nicht Nebenwidersprüche, sondern Hauptbestandteile von herrschenden Macht-asymetrien.

Die klassischen männlichen Anarchisten, deren Namen wir nicht mehr nennen wollen, weil sie schon so oft genannt wurden, vergaßen oft den weiblichen Blickwinkel und beschränkten ihre Theorie und Aktivität auf Ökonomie und Staat, klammerten jedoch ihr Privatleben aus – bis hin zu aktiven Weigerungen, die „Frauenfrage“ in ihre Praxis einzubeziehen.

Anarcha-Feminismus soll also eine Mahnung sein, die radikale Bedeutung des Anarchismus in all ihren Aspekten umzusetzen, die anarchistische Theorie nicht als abgeschlossen zu sehen, sondern immer weiter zu entwickeln. Mit ihrer Weigerung, FLTI* – spezifische Forderungen getrennt von libertärer Theorie zu fassen, waren Anarcha-Feminist_innen historisch einzigartig. Deshalb wurden und werden sie innerhalb der Frauenbewegung und auch innerhalb der anarchistischen Bewegung ausgegrenzt.

Der Ansatz der Total Liberation11 (totale Befreiung), ursprünglich in der Tierbefreiungsbewegung geprägt, lässt sich gut auf den Anarcha-Feminismus übertragen: None are free, until all are free! Solange noch irgendwer unterdrückt wird, können potentiell alle unterdrückt werden. Alle Befreiungskämpfe sind wichtig und sollten sich solidarisch auf Augenhöhe unterstützen. Das meint nicht, dass möglichst viele Unterdrückte sich den friedlichen Protesten weißer cis-geschlechtlicher heterosexueller Mittelschichtsfeministinnen anschließen sollen, sondern dass insbesondere das Einbeziehen von queeren und postkolonialen Perspektiven und Kämpfen in Theorie und Praxis wichtig ist. Dazu gehört, dass vergleichsweise weniger marginalisierte Stimmen diejenigen der Subalternen12, der weniger hegemonialen13, verstärken und in den Fokus rücken, dass sie mit ihnen anstatt über sie sprechen. Bei der Aktivität gegen Diskriminierung gilt es, ebenfalls zu reflektieren, wie mensch selbst eventuell zu Diskriminierungen beiträgt oder davon profitiert.

Feministische Selbstkritik sowie Solidarität zu all den FLTI*, welche sich alltäglich gegen ihre Unterdrückung zur Wehr setzten müssen, ohne sich dabei „poltisch/links/anarchistisch/feministisch“ zu nennen, sind bedeutend. Es gibt auch nicht ein Themengebiet des Anarchismus, das am wichtigsten wäre, sondern alle Stömungen sollten gleichwertig zusammenwirken und sich gegenseitig solidarisch unterstützen.

Schon mal als „Manarchist“ bezeichnet worden? Das ist ein Begriff von Anarcha-Feminist_innen für männliche Anarchisten, die respektlos mit feministischen Belangen umgehen, aktiv antifeministisch handeln oder auf andere Art unreflektiert das Patriarchat reproduzieren. Dazu empfiehlt sich der Fragebogen „Are you a manarchist?“14. In Gruppen kann dieses Phänomen mit ähnlichen Umfragen verdeutlicht werden. Fragt euch doch mal, wer schon mal Küfa gekocht hat, wer schon mal einen Redebeitrag gehalten hat, wer schon mal in einer politischen Gruppe mit mindestens 50% FLTI* gearbeitet hat, welches Geschlecht in Plena und Diskussionen die höchsten Redeanteile hat.

    Wer war und ist alles anarcha-feministisch?

Bei unserer Recherche ist uns besonders aufgefallen: nicht alle anarchistischen Feminist_innen sind oder waren explizit Teil der anarcha-feminstischen Strömung. Wir lehnen es ab, das Label als Fremdbezeichnung zu nutzen. Dies erwies sich als schwierig, denn bei einigen in Listen unserer Quellen aufgeführten Frauen*, konnten wir keine Hinweise darauf finden, dass sie Anarcha-Feminismus auch als Selbstbezeichnung nutzten. So prägte beispielsweise Voltarine de Cleyre eher den Anarchismus ohne Adjektive. Der syndikalistische Frauenbund sah es als eine seiner Aufgaben, Frauen für den Syndikalismus zu agitieren – darin zeigt sich wiederum das Nebenwiderspruchs-denken, dass von Anarcha-Feminist_innen abgelehnt wird. Bei der folgenden Auswahl gilt also zu beachten, dass eine wesentlich ausführlichere Recherche an manchen Stellen notwendig gewesen wäre (besserer Zugang zu Originalquellen, mehr Zeit). Da dies nicht der erste Vortrag zu diesem Thema in Köln war, versuchten wir vorher, über weniger bekannte Menschen und Gruppen zu recherchieren, damit auch Themenerfahrene vielleicht noch etwas neues mitnehmen können.

Schließlich haben wir vorgetragen über:
Louise Michel (1830-1905, Pariser Commune)
André Léo (1824-1900, ebenso)
La Voz de La Mujer (ab 1896, Zeitung, Argentinien)
He Zhen (1884-1920, China/Japan)
Theresa Claramunt (1862-1932, Spanien, eher Syndikalistin)
Emma Goldman (1869-1940, überwiegend USA)
Mujeres Libres (spanischer Bürgerkrieg, Widerstand geg. Franco, Neugründung 1976)
Mujeres Creando (seit 1992, Bolivien)

Um die detaillierten Inhalte und Lebensläufe der oben genannten soll es in diesem Artikel nicht gehen, denn sie lassen sich auf diversen Websites nachlesen. Anarchopedia, Anarchismus.at, Infoshop.org, Libcom.org, sowie ein Zine der AG Anarchafeminismus der libertären Aktion W‘Thur dienten uns zur Recherche. Zur allgemeinen Geschichte feministischer Bewegungen gibt es ebenfalls zahlreiche Bücher, schaut mal, was eure lokalen Infoläden so bereithalten.

Dass zu wenig Raum für Diskussion blieb, bzw. gegeben wurde, ist ein Kritikpunkt an manchen anderen Veranstaltungen der libertären Wochen. Deshalb haben wir am Ende ein weiteres Interview mit Anarcha-Feministinnen aus Bolivien15 zugunsten der Diskussionszeit nicht mehr gezeigt. In diesem Video waren besonders interessant das Thema Landrechte und Landgrabbing, die Idee traditionelles Wissen über Geburten abseits der institutionalisierten Medizin weiterzutragen, aber auch die Kritik an weißem Anarchismus (sinngemäßes Zitat: „Wir sind nicht Anarchistinnen geworden durch Bakunin oder die CNT, eher durch unsere Großmütter und das ist eine schöne Art des Anarchismus“). Leider haben wir es vor der Veranstaltung nicht geschafft, die spanischsprachigen Videos mit Englischen Untertiteln noch ins Deutsche zu übersetzen, hätten daher vor Ort eine spontane Flüsterübersetzung angeboten, falls es notwendig gewesen wäre.

    Diskussion und Fazit

Die anfängliche Enttäuschung über vergleichsweise wenige Besucher_innen wurde durch eine wunderschöne und empowernde Diskussion am Schluss wieder ausgeglichen. Wir tauschten uns aus über eigene Erfahrungen in der linken- und anarchistischen Szene, über Mangel an Solidarität, alltäglichen Sexismus, Betroffenheit und Täterschaft und versuchten gemeinsam immer wiederkehrende Reaktionen von cis-Männern* auf (anarcha-)Feminismus zu analysieren. Weiter ging es um die unterschiedlichen Voraussetzungen, die anarcha-Feminist_innen in verschiedenen Regionen erleben, auch um aktuelle Proteste gegen Gewalt gegen FLTI* in der Türkei und um Kritik an bürgerlichen sozialen Bewegungen in Deutschland. Eine weitere Frage war die, ob Anarchismus heute eher als Theorie genutzt wird und nicht doch Teil von Sozialisation sein sollte.

Uns fiel auf, dass nur ein cis-Mann* zur Veranstaltung gekommen ist, während doch einige der cis-Männer* aus den organisierenden Gruppen es notwendig hätten, ihren eigenen Sexismus zu hinterfragen und sich solidarisch mit feministischen Kämpfen zu zeigen. Ob dies nur am gleichzeitig stattfindenden G7-Gipfel lag ist fragwürdig. In Zukunft würden wir uns über mehr praktische Solidarität von männlichen Anarchisten wenn es um feministische Themen geht freuen. Denn ansonsten bleibt die Befürchtung, dass sich die organisierenden Gruppen am Ende nur mit unserer Arbeit und unserem Feminismus schmücken, bzw. diesen Vortrag als Alibi gegen mögliche Sexismusvorwürfe nutzen könnten.

Heute gibt es zahlreiche anarcha-feministische Gruppen, Projekte und Einzelpersonen – auch außerhalb von Nordamerika und Mitteleuropa. Diese machen jedoch nur einen kleinen Teil sozialer Bewegungen aus und es mangelt an öffentlicher Repräsentation und Rezeption. Selbstbilder als Teil von queerer oder autonomer Szene scheinen eher „in Mode“ zu sein, als der Begriff des anarcha-Feminismus. Trotzdem findet theoretische Auseinandersetzung in der Blogosphäre, Essays, Zines, Zeitschriften, bei Festivals, Versammlungen und Kongressen statt. Immernoch sind praktische und radikale Kritik an anarchistischer und feministischer Bewegung notwendig und mögen angesichts zunehmender Vereinzelung und Isolation von Anarcha-Feministinnen mühsam und fruchtlos scheinen. Doch wir sind viele, wir sind überall, wir müssen uns nur vernetzen.

Bildet viele solidarische anarcha-feministische Banden!

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Das gender gap „_“ soll dazu dienen, nicht nur Frauen*, sondern auch alle, die sich jenseits der Zweigeschlechtlichkeit verorten, sprachlich einzubeziehen. Nieder mit dem generischen Maskulinum!
1) Intersektionalität: beschreibt die Überschneidung verschiedener Persönlichkeitsmerkmale in einer Person, wodurch Mehrfachdiskriminierung entseht, insbesondere Sexismus und Rassismus bei Schwarzen Frauen*, Begriff geprägt durch Kimberlé Crenshaw in den Postcolonial Studies. Diese Überschneidungen gilt es in feministischer Analyse und Kritik sichtbar zu machen. Weitere Diskriminierungskategorien: Körperliche Befähigung, Klasse etc.
2) Frauen*: Wir gehen davon aus, dass Geschlechter soziale Konstrukte sind, daher das Sternchen, und lehnen die Einteilung von Menschen anhand dieser Konstrukte ab. Trotzdem hat unsere Zuweisung von „weiblich“ bei der Geburt, unsere Sozialisation in der Rolle von Frauen*, eine reale Auswirkung auf unser Leben.
3) Interview Mexiko: youtube.com/watch?v=tYrAe1VEIdM
4) Feminizide: http://jungle-world.com/artikel/2010/13/40648.html
5) weiß: auch „race“ ist eine soziales Konstrukt nach dem Menschen eingeteilt werden, dies soll durch die kursive Schrift gekennzeichnet werden. Dabei geht es aber nicht nur um Hautfarbe, sondern auch um die Privilegien, die durch die gesellschaftliche Wertung verschiedener vermeintlicher Herkunft entstehen. „Rasse“ ist im deutschen ein besonders negativ besetzter Begriff, der nun wirklich mal aus dem Vokabular verschwinden könnte. Da auch die zugehörigen Analysetheorien den englischsprachigen Postcolonial Studies entspringen, empfiehlt sich die Übernahme des englischen Begriffes „race“.
6) Paradies: youtube.com/watch?v=MImAAOGxO-o
7) Shaya & Gogha: youtube.com/watch?v=hu1cV8Ilq8k
8) Soozan Firooz: youtube.com/watch?v=qrLhtFh3a1Y
9) Eurozentrismus: Sich auf Europa konzentrieren und den globalen Süden ignorieren/abwerten, besonders wenn es um Geschichte geht, auch: europäische Werte und Normen als Bewertungsstandard für die ganze Welt nutzen.
10) cis: nicht trans*; cis bedeutet, sich mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht weitestgehend zu identifizieren.
11) Total Liberation: indyvegan.org/total-liberation-interview-1-berta/
12) Subalterne: Dieser Begriff der Postcolonial- und Subaltern Studies beschreibt Menschen, die sozial, politisch und geographisch außerhalb der hegemonialen Position stehen und denen die Handlungsmacht (Agency) abgesprochen wird, die also z.B. negativ von Kolonialismus betroffen sind.
13) Hegemonie: Vorherrschaft, Vormachtstellung; muss praktisch und im Diskurs immer neu produziert, bzw. erhalten, werden, Begriff nach Foucault.
14) Manarchism Umfrage: anarcha.org/sallydarity/AreyouaManarchist.htm (englisch)
15) Interview Bolivien: youtube.com/watch?v=R_FTZvMScLo

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