Zur Walter-Herrmann-Soli-Kundgebung am 7. November in Köln

Gegen jeden Antisemitismus!
Bild: Fuad Afani bedroht Gegendemonstrant*innen, welche ein Transpi mit der Aufschrift „Antisemitismus bekämpfen – in Köln und Überall – Für ein Leben vor dem Tod“ halten.

Zur Dokumentation teilen wir folgenden Bericht des BgA Köln.

Maximal 70 Personen versammelten sich am Samstag um 12:00 vor dem Kölner Dom zu einer Kundgebung unter dem Motto „Walter Herrmann free Palestine“ (sic), um sich mit dem Anmelder der Kölner „Klagemauer“, Walter Herrmann, zu solidarisieren. Dabei kam es zu antisemitischen Äußerungen und Übergriffen.

Herrmann fühlt sich notorisch für seine „Friedensarbeit“ gegen Israel verfolgt und muss momentan verdauen, dass ihm der Vorstand des Kölner Bürgerzentrums „Alte Feuerwache“ nach jahrelangen Querelen die Nutzung der Räume untersagt hat, was in der bundesweiten antizionistischen Szene zu Solidarisierungen mit Herrmann führte.
Angemeldet und organisiert wurde die heutige Veranstaltung von Reza Begi, einem Aktivisten der Querfrontszene, der unter anderem enge Kontakte zur Pegida-Mitbegründerin Katrin Oerthel unterhält und der zudem regelmäßig zu Kundgebungen der von VerschwörungstheoretikerInnen getragenen sog. Mahnwachenbewegung im gesamten Bundesgebiet aufruft. An den Kundgebung der KonspiratistInnen-Szene nehmen regelmäßig auch organisierte Neonazis teil. Selbst zur heutigen Kundgebung aufrufende Gruppen wie der obskure Verein „Solidarity with Palestine Walter Herrmann & WorldWide Resistance-Help e.V.“ distanzierte sich bei Facebook von Begi, erschien aber nichtsdestotrotz zur Kundgebung. Ebenso wie Andreas Neumann von der Kölner „Arbeiterfotografie“. Neumann erlangte ein bescheidenes Maß an trauriger Berühmtheit, als er zusammen mit Jürgen Elsässer (heute Chefredakteur des rechten Querfrontmagazins Compact), dem damals amtierenden Präsidenten des islamistischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Regimes im Iran, Mahmud Ahmadinejad, einen Solidaritätsbesuch abstattete. Auch dem islamistischen Internetportal „Muslim Markt“ steht er gern als Interviewpartner zur Verfügung.

„Stargast“ und Hauptrednerin der Kundgebung war jedoch Evelyn Hecht-Galinski, die sich als Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, in antizionistischen Kreisen besonders großer Beliebtheit erfreut, da sie ihre „israelkritischen“ MitstreiterInnen verlässlich und regelmäßig von jedem Antisemitismus freispricht und auch selbst dem jüdischen Staat gegenüber vor keiner Diffamierung zurückschreckt. So bleibt sie sich auch in Köln treu, erklärt zur Begeisterung der wenigen Anwesenden Gaza zum Konzentrationslager und behauptet ernsthaft (an die wenigen protestierenden Antifa-Aktivisten gerichtet), dass Philosemitismus das gleiche Verbrechen sei wie Antisemitismus. Womit dankenswerter Weise festgehalten wäre, dass Evelyn Hecht-Galinski zwischen Auschwitz und einem Klezmer-Abend im evangelischen Gemeindezentrum zumindest keinen grundsätzlichen Unterschied feststellen kann.
Nachdem sie für ihre Ausführungen von Reza Begi mit einem Strauß Blumen bedacht wurde, trat Fuad Afane an‘s Mikrofon. Sichtlich und hörbar erregt erklärte er Walter Herrmann zum „wahren Löwen von Deutschland“, um dann einen Ausflug ins Reich der „Rassenkunde“ zu beginnen. „Ich bin Semit, ihr seid Antisemiten“, erklärte er ca. zehn antifaschistischen GegendemonstrantInnen, welche sich zwischenzeitlich eingefunden hatten und neben einem Transparent auch eine Israelfahne zeigten. Die Völkerkunde scheint auch sonst zu Afanes Steckenpferden zu gehören, so fordert er auch schon mal bei Facebook: „Aschkenasim (europäische Juden) sind keine Semiten. Ausländer raus aus Palästina“. Zweifellos beste Voraussetzungen um in der bizarren Welt der QuerfrontlerInnen eine bescheidene Karriere als „Friedensaktivist“ zu machen. Bei EnDgAmE, einer Art öffentlich abgehaltenem Klassentreffen ostdeutscher AntisemitInnen, AmerikahasserInnen, VerschwörungstheoretikerInnen, WutbürgerInnen und ganz normaler Nazis, durfte er folgerichtig auch schon mitmachen.

Die Kölner Polizei reagierte auf das Erscheinen der kleinen Gruppe von GegendemonstrantInnen nervös und beorderte ca. 20 BeamtInnen zum Kundgebungsort.
Nach Ende seiner Rede näherte sich Afane, immer noch sichtlich aufgeputscht und aggressiv, den antifaschistischen GegendemonstrantInnen, brüllte diese aus nächster Nähe an, hielt dabei im Stil von Fussballfans einen Palästina-Schal in die Höhe und entriss den AntifaschistInnen schließlich nach einem kurzen Wortgefecht das Transparent, welches dabei zerrissen wurde. Im anschließenden Handgemenge schlug zudem ein mit Palästinenserschal ausgestatteter in schwarz gekleideter Mann auf einen der AntifaschistInnen ein. Nachdem die Polizei die Personalien des Angreifers feststellte, der sich danach – immer noch sichtlich wütend – entfernte, erstatteten zudem mehrere Personen Anzeigen gegen diesen und gegen RednerInnen der Kundgebung wegen antisemitischer, beleidigender und volksverhetzender Aussagen. Begi beendete die Kundgebung nach den Übergriffen, woraufhin die den Einsatz leitenden PolizeibeamtInnen ihm in ausgesprochen freundlichem Tonfall gute Tipps mit auf den Weg gaben, wie es beim nächsten Mal besser laufen könne.

Das absurde Schauspiel vor dem Dom machte eindrücklich deutlich, dass Walter Herrmann und seine UnterstützerInnen einfach die örtliche Avantgarde von Montagsmahnwachen, Querfrontstrategien und Verschwörungsirrsinn sind, die in Deutschland längst den nicht geriatrischen Teil der sogenannten Friedensbewegung dominieren. Das hier keine Berührungsängste gegenüber Leuten aus dem Umfeld von Pegida-Mitbegründerin Katrin Oerthel bestehen ist kaum verwunderlich. Bei kritischen BeobachterInnen der langwierigen Diskussionen um die Kölner „Klagemauer“ und dem dort verbreiteten Antisemitismus kann dies keine Verwunderung auslösen. Hier wächst zusammen, was zusammen gehört.

BgA Köln, 8. November 2015

Video: Palästina-Schal schwenkender Fuad Afane fordert die GegendemonstrantInnen auf, „nach Russland, Polen, Estland zurück(zugehen)“: „Geht dahin zurück, wo ihr hergekommen seid.“

Mehr Infos zu Walter Herrmann und seiner Klagemauer findet ihr in dieser schon etwas älteren Intervention von MAD Köln.